Sachsens Digitalbranche auf Wachstumskurs: Neuer IT-Campus in Dresden

26. Juni 2019
Die Digitalbranche in Sachsen boomt. Die Informations- und Kommunikationstechnik (IKT) wachse seit Jahren am stärksten im Freistaat, sagte der Geschäftsführer des Branchenverbandes Silicon Saxony, Frank Bösenberg, der Deutschen Presse-Agentur. Neusten Zahlen zufolge hat die Branche von 2016 zu 2017 beim Umsatz um acht Prozent zugelegt. Besonderer Treiber: Die Softwarebranche mit einem Umsatzplus von 32 Prozent. Insgesamt setzt die IKT-Branche in Sachsen mit rund 64 000 Beschäftigten etwa 15,1 Milliarden Euro pro Jahr um.Zum Vergleich: Der Maschinenbau legte in Sachsen zwischen 2016 und 2017 um 4,8 Prozent zu, der Fahrzeugbau um 4,4 Prozent. Einer der Gründe, warum die Softwarebranche in Sachsen wächst: An den Universitäten wird gut qualifizierter Nachwuchs ausgebildet. "Und es gibt hier überhaupt die Möglichkeit, noch Fachkräfte zu gewinnen - zumindest leichter als in Berlin, Hamburg oder München", so Bösenberg. Mittlerweile gebe es einen "Clustereffekt", so dass Arbeitnehmer den Job wechseln könnten, ohne dafür die Stadt zu verlassen. Auch das spreche für den Standort. Insgesamt werde es für die Firmen aber schwieriger, geeignetes Personal zu finden.

Erst vor wenigen Tagen eröffnete Volkswagen ein neues IT-Entwicklungszentrum in der Gläsernen Manufaktur in Dresden. Künftig sollen bis zu 80 Spezialisten daran arbeiten, die weltweit 122 Fabriken besser zu vernetzen und Prozesse zu digitalisieren.

In Dresden nimmt zudem am Mittwoch das weltweit agierende SAP-Beratungsunternehmen Itelligence einen neuen IT-Campus in Betrieb. Das Unternehmen mit Hauptsitz in Bielefeld hat das ehemalige Schokopack-Hochhaus als neuen Dresdner Firmensitz herrichten lassen. Derzeit arbeiten rund 350 Mitarbeiter vor Ort - künftig sollen es bis zu 500 sein. Dresden biete mit seiner Hochschullandschaft und der Exzellenz-Universität, den Forschungseinrichtungen und der Branchenvielfalt gute Voraussetzungen für das geplante Wachstum, erklärte der Standortverantwortliche für Sachsen, Lars Janitz.

Auch Ministerpräsident Michael Kretschmer (CDU) sieht Potenzial im Freistaat: "In Sachsen ist eines der größten Mikroelektronik- und IT-Cluster Europas zu Hause. Im Silicon Saxony entwickeln Wirtschaft und Wissenschaft gemeinsam Innovationen für die digitale Zukunft."

Nach Einschätzung des Branchenverbandes sind die Unternehmen der IKT-Branche - vom Halbleiterhersteller bis hin zum Service-Dienstleister - von großer Bedeutung, um andere Wirtschaftszweige fit für die digitale Zukunft zu machen. Dazu zählten etwa der Maschinenbau, die Autobauer sowie die zahlreichen Zulieferer. "Es liegt also nahe, das geschickt miteinander zu verknüpfen, um Sachsen zukunftsfähig zu machen", so Bösenberg.

Dafür legten die Digitalverbände jüngst ein Positionspapier vor, in dem sie etwa neue Informatik-Professuren, eine Verdoppelung der Studienplätze und mehr Ausbildungsplätze forderten. Bösenberg kritisierte, dass es mit der Einführung eines Numerus Clausus (NC) auf das Informatik-Studium in Leipzig künftig weniger Absolventen gebe. "Das wird sich in drei, vier Jahren bemerkbar machen."

Die Branche ist nach Einschätzung von Bösenberg auch deshalb wichtig, weil sich Firmen nicht nur in Dresden oder Leipzig, sondern auch in ländlichen Regionen ansiedeln, etwa um Bautzen. So unterhält etwa Itelligence Rechenzentren in der ostsächsischen Stadt. "Diese Chance müssen wir nutzen, aber dafür muss der Breitbandausbau abgeschlossen sein." Zahlreiche Unternehmen bieten laut Bösenberg ihren Mitarbeitern auch an, im Home-Office zu arbeiten. "Da bietet die Softwarebranche eine Chance, dass die Leute ihren Wohnort etwa auf dem Land behalten können", sagte Bösenberg.

In Sachsen gibt es rund 2400 IKT-Unternehmen - 150 mehr als bei der vorigen Erhebung im Jahr 2016. Mit 67 Prozent sind die meisten Unternehmen auf Software spezialisiert.

Quelle: Suddeutsche Zeitung


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