Sprechen lernen: Dresdner Forscher wollen Schlaganfallpatienten helfen

21. Dezember 2018
Die Technische Universität Dresden entwickelt gemeinsam mit der Universitätsmedizin Greifswald und der Linguwerk GmbH ein System, das die Sprech- und Schlucktherapie bei Schlaganfallpatienten unterstützen soll. Das Forschungsprojekt „OSLO“ (Entwicklung eines optoelektronischen Messsystems zur Steuerung interaktiver logopädischer Übungen in der Schlaganfalltherapie) startete bereits 2017. Nun wurde in einem Projekttreffen im Dezember 2018 ein erster Demonstrator erfolgreich getestet.

Allein in Deutschland sind ca. 100.000 Menschen von Sprechstörungen infolge eines Schlaganfalls betroffen. Aphasien treten aufgrund von Lähmungen der am Sprechen beteiligten Muskulatur auf und können die Verständigungsfähigkeit stark beeinträchtigen. Zudem folgen aus der Lähmung der Artikulatoren, insbesondere der Zunge auch Schluckbeschwerden. Wenn Flüssigkeit oder Nahrung infolge eines Verschluckens in den Atmungstrakt eindringt, kann dies zu schwerwiegenden Erkrankungen wie beispielsweise einer Lungenentzündung führen.
 
Besserung für den Patienten verschafft in der Regel eine Sprechtherapie (Logopädie). Sie erfordert allerdings viel Geduld und Disziplin. Die Schlaganfall-Betroffenen müssen sich die Lautbildung und die damit verbundenen Zungenstellungen innerhalb des Mundraumes neu aneignen. Hauptbestandteil der logopädischen Übungen ist ein wiederholtes Trainieren der betroffenen Laute. Leider können die Logopäden anhand rein akustischer Eindrücke oft nicht beurteilen, ob sich die Zunge des Patienten in der richtigen Position befindet und die Übung korrekt ausgeführt wird. Die Schluckbeschwerde-Therapie konzentriert sich wiederum hauptsächlich auf die Stärkung der Zungenmuskulatur.
 
Forschungsziel ist daher die Entwicklung eines intraoralen Sensors, der sowohl die Zungenposition als auch den Zungendruck misst und eine akkurate Auswertung von durchgeführten Übungen erlaubt. Dadurch könnten die Therapeuten ihren Patienten präzise Anweisungen erteilen und den Therapieerfolg beschleunigen. „Aktuell existiert unseres Wissens nach kein Sensorsystem, welches die optische Abstandmessung der Zunge mit der Druckmessung kombiniert“, erklärt Christoph Wagner vom Institut für Akustik und Sprachkommunikation der TU Dresden. „Die Entwicklung der Mikroelektronik, insbesondere die Miniaturisierung von Sensoren und die Verfügbarkeit neuer Lichtquellen bietet uns nun die Möglichkeit, verschiedene Funktionen im Gerät zu verbinden und es dabei so klein zu gestalten, dass die Nutzung komfortabel ist“.
 
Darüber hinaus hat der Einsatz von Elektronik in der Sprechtherapie das Potential, die Therapie in Form eines Spieles auch für den Patienten ansprechend zu gestalten, in dem Zungenbewegungsdaten als Steuerbefehle verwendet werden können. Folglich könnten Patienten intuitiv und ohne logopädisches Personal selbstständig an ihrer Genesung mitarbeiten und den Therapiefortschritt durch gleichzeitigen Fortschritt im Spiel spürbarer erleben.
Langfristiges Ziel ist ein fertiges Therapiegerät; das Projekt OSLO will dafür den Weg bereiten und einen vollständig funktionierenden und spezifizierten Demonstrator für den Patiententest entwickeln. Das Dresdner Teilprojekt wird vom Bundesministerium für Bildung und Forschung mit einer Summe von knapp 400.000 Euro gefördert und läuft bis Ende Februar 2020. Insgesamt stehen für Forschungsprojekt „OSLO“ etwa 800.000 Euro zur Verfügung.
 


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