Syrische Wissenschaftler können dank Stipendien der Philipp Schwartz-Initiative an der TU Dresden forschen

24. September 2018
Ab Oktober 2018 nimmt die TU Dresden erneut zwei syrische Wissenschaftler für einen Förderzeitraum von zwei Jahren auf. Die Stipendien im Rahmen der Philipp Schwartz-Initiative ermöglichen den Wissenschaftlern an deutschen Hochschulen und Forschungseinrichtungen zu arbeiten.

Die Architektin Dr. Fatina Kourdi promovierte 1989 an der TU Dresden und forschte dann an verschiedenen syrischen Universitäten.

Seit mehr als sieben Jahren herrscht in Syrien Krieg, an den Universitäten sind Forschung und Lehre kaum noch möglich, die Sicherheitslage ist dramatisch schlecht: Stipendien im Rahmen der Philipp Schwartz-Initiative ermöglichen zumindest einigen Wissenschaftlern, an deutschen Hochschulen und Forschungseinrichtungen zu arbeiten. Ab Oktober 2018 nimmt die TU Dresden erneut zwei syrische Wissenschaftler für einen Förderzeitraum von zwei Jahren auf.
 
Die Architektin Dr. Fatina Kourdi promovierte 1989 an der TU Dresden und forschte dann an verschiedenen syrischen Universitäten, unter anderem in Aleppo. Von dort aus musste sie 2013 mit ihrer Familie fliehen. Zunächst konnte Fatina Kourdi an der Zirve-Universität in Gaziantep (Türkei) arbeiten, bis diese nach dem Putschversuch 2016 durch die türkische Regierung geschlossen wurde. Seit März 2017 ist sie als Gastwissenschaftlerin an der Fakultät Architektur der TU Dresden, zuerst als DRESDEN Senior Fellow, dann im Eleonore-Trefftz-Gastprofessorinnenprogramm. Dank der Philipp Schwartz-Initiative hat die Familie nun für weitere zwei Jahre Sicherheit und Fatina Kourdi kann ihre schon begonnen Projekte an der TU Dresden fortsetzen. Bei „Rebuild Aleppo“ entwickelt sie gemeinsam mit Studierenden Strategien und Modelle für den Wiederaufbau von kriegszerstörten sogenannten informellen Siedlungen, die in Aleppo fast die Hälfte der Bevölkerung beherbergen. Im zweiten Forschungsprojekt geht es um eine Aufwertung des Dresdner Stadtteils Gorbitz.
 
„Für mich und meine Familie ist das Stipendium ein großes Glück“, sagt Fatina Kourdi. „Meine beiden Söhne studieren Medizin an der TU Dresden, mein Mann ist Arzt und im Rahmen der Familienzusammenführung vor etwa einem Jahr zu uns gekommen. Er lernt jetzt die deutsche Sprache, bevor er hier arbeiten kann.“
 
Neben Fatina Kourdi wird in diesem Jahr ein zweiter Stipendiat im Rahmen der Philipp Schwartz-Initiative an die TU Dresden kommen. Er hält sich aktuell noch in Syrien auf, sodass er vorerst anonym bleiben muss. Um die Stipendien hatte sich das DRESDEN-concept Welcome Center at TU Dresden bemüht, das internationale Wissenschaftler und deren Familien unterstützt, die neu an die TU Dresden oder Forschungseinrichtungen von DRESDEN-concept e.V. kommen. Das Team hatte bereits vor zwei Jahren erfolgreich ein Philipp Schwartz-Stipendium für die TU Dresden eingeworben. Der Verkehrswissenschaftler Prof. Jandab Zarour aus Damaskus forscht an der Professur für Gestaltung von Bahnanlagen an der TU Dresden. Auch er arbeitet bereits am Wiederaufbau seiner Heimat Syrien nach dem Krieg und erstellt Konzepte für die Wiederherstellung der öffentlichen Verkehrsinfrastruktur. Allerdings läuft seine Förderung im Februar 2019 aus. Wie es danach für ihn und seine Familie weitergeht, kann er nicht sagen. „Wir alle fühlen uns sehr wohl in Dresden und wollen bleiben“, sagt er. „Zwei meiner Kinder beginnen im Oktober ein Studium an der TU Dresden. Der jüngste Sohn besucht die 9. Klasse und meine Frau möchte nach ihrem Deutsch-Kurs wieder als IT-Lehrerin arbeiten. Ich hoffe sehr, dass wir eine Finanzierung für die Zeit nach dem Stipendium finden.“
 
Die Philipp Schwartz-Initiative wurde von der Alexander von Humboldt-Stiftung gemeinsam mit dem Auswärtigen Amt ins Leben gerufen und ermöglicht Universitäten, Fachhochschulen und außeruniversitären Forschungseinrichtungen in Deutschland die Verleihung von Stipendien für Forschungsaufenthalte an gefährdete Forscherinnen und Forscher. Finanziert wird diese Initiative durch das Auswärtige Amt, die Alfried Krupp von Bohlen und Halbach-Stiftung, die Andrew W. Mellon Foundation, die Fritz Thyssen Stiftung, die Gerda Henkel Stiftung, die Klaus Tschira Stiftung, die Robert Bosch Stiftung, den Stifterverband, der Alexander von Humboldt-Stiftung sowie die Stiftung Mercator.


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