TUD/ Grenzenlose Wissenschaft: Der internationale transCampus Dresden und London wächst trotz Brexit. Materialforscher beider Standorte wollen weltweit führendes Netzwerk etablieren.

24. Oktober 2018
Der weltweit in dieser Form einmalige, grenzüberschreitende transCampus London – Dresden wächst stetig. Die beiden Spitzenuniversitäten King’s College London und Technische Universität Dresden (TUD) weiten ihre Zusammenarbeit jetzt auf das Gebiet der Materialforschung aus. Gestartet war transCampus im Jahr 2015 als Forschungsallianz mit dem Schwerpunkt Medizin und Biotechnologie, später ergänzt um den Bereich Nachrichtentechnologie.
 
Am heutigen 5. Oktober 2018 vereinbaren Materialwissenschaftler des King’s College und der TU Dresden in London ein „Memorandum oft Understanding“ (MoU). Die Vertragsunterzeichnung findet im Rahmen der Londonreise von Sachsens Ministerpräsident Michael Kretschmer (CDU) statt, der von sächsischen Vertretern aus Wissenschaft und Wirtschaft begleitet wird.
 
Mit ihrem Zusammenschluss wollen die Wissenschaftler der zentralen wissenschaftlichen Einrichtung „Dresden Center for Computational Materials Science“ (DCMS) der TUD und vom „Thomas Young Centre“ (TYC) ein international führendes Forschungscluster in den Materialwissenschaften etablieren. Das TYC ist eine interdisziplinäre Allianz aus rund 100 Forschungsgruppen der vier Londoner Hochschulen King's College, Imperial College, Queen Mary Universität London und University College London.
 
„Dresden ist in Europa und weltweit ein führendes Zentrum der Materialforschung. Die Stärkung des Forschungsnetzwerks durch internationale Kooperationen ist ein Schlüssel unseres Zukunftskonzepts“, sagt Prof. Gianaurelio Cuniberti, Inhaber der Professur für Materialwissenschaft und Nanotechnik der TU Dresden und geschäftsführender Direktor des DCMS. „Die Kompetenzen von Dresden und London in den Materialwissenschaften ergänzen sich perfekt. Beide Seiten können sich aus der Kooperation neue Impulse erhoffen.“
 
„Die enge internationale Zusammenarbeit von Dresden und London ist eine Erfolgsgeschichte und ein Musterbeispiel für den gelebten Austausch auf wissenschaftlicher und studentischer Ebene“, unterstreicht Prof. Hans Müller-Steinhagen, Rektor der TU Dresden, die Bedeutung des MoU. „Diese synergetische Zusammenarbeit verdoppelt nicht einfach nur die Kompetenzen, sie ermöglicht völlig neue Forschungsprojekte und erhöhen die internationale Sichtbarkeit beider Standorte.“
 
„In Zeiten zunehmender Nationalismen und Abgrenzung ist der transCampus ein einzigartiges und wegweisendes Modell für eine enge Partnerschaft auf bilateraler Ebene, die es uns erlaubt, gemeinsam als Campus auf höchstem internationalen Niveau zu agieren“, sagt Prof. Antonio Hurtado, Prorektor für Universitätsentwicklung der TU Dresden.
 
„Das jetzt vereinbarte MoU ist ein weiterer Schritt hin zu einer wirklich universitätsweiten Partnerschaft“, betont der Initiator und Gründungsdekan von transCampus, Prof. Stefan R. Bornstein. Er ist Direktor der Medizinischen Klinik und Poliklinik III und des Zentrums für Innere Medizin am Universitätsklinikum Carl Gustav Carus sowie Prodekan für Internationales und Entwicklung der Medizinischen Fakultät der TU Dresden.
 
Welche Effekte, welche Zugkraft eine solche Allianz entwickeln kann, machen die Kooperationen in der Medizin und Biotechnologie deutlich. In der Inselzell-, Nieren- und Knochenmarktransplantation gehört der transCampus London – Dresden mittlerweile zu den größten Transplantationszentren der Welt. Bisher acht gemeinsam berufene Professuren mit freiem Zugang zu den Einrichtungen und Forschungsinhalten beider Standorte sowie bewilligten Förderungen in Höhe von über 50 Millionen Euro haben es den Forschern ermöglicht, ihre Stärken zu vereinen. So profitierten beispielsweise bisher unheilbar erkrankte Kinder in Sachsen von neuen Gentherapien aus London.
 
Darüber hinaus entstand unter dem Dach von transCampus das einzige internationale Graduiertenkolleg in Ostdeutschland. Ohne Studiengebühren zahlen zu müssen, können Doktoranden Teile ihrer Ausbildung in einem hoch innovativen Umfeld in Dresden und London absolvieren. Zusätzlich gibt es einen intensiven Studentenaustausch, der auch ohne Erasmus-Förderung aufrecht erhalten bleiben kann.
 
Von diesen engen Verbindungen wird nun auch die Materialforschung in Dresden und London profitieren. Und nachhaltige und synergetische Verbindungen in Forschung und Lehre schaffen.
 
„Mit großer Bestürzung mussten wir erfahren, dass Prof. Allessandro De Vita, einer unserer bedeutendsten Vorreiter dieser Kooperation am 2. Oktober Opfer eines schrecklichen Verkehrsunfalls wurde. Die Nachricht von seinem viel zu frühem Tod erfüllt uns mit tiefer Trauer und Schock. Sandro war scharfsinnig, vielseitig begabt, mit einem großartigen Sinn für Humor. Ein herausragender Wissenschaftler und warmherziger Mensch. Großzügig und stets hilfsbereit. Die Erinnerung an ihn und sein wissenschaftliches Erbe werden uns helfen, die Verbindung zwischen der TU Dresden und dem King’s College noch mehr zu stärken“, sagt Prof. Cuniberti.


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