Wissenschaftsministerium fördert Forschungszentrum zur Integration an der TU Dresden

09. März 2016
Das Wissenschaftsministerium fördert den Aufbau eines Zentrum für Integrationsstudien (ZfI) an der TU Dresden. Die neue Einrichtung wird die Erfordernisse an Sprache, Kultur und soziale Praxis für eine erfolgreiche Integration als gesamtgesellschaftliche Aufgabe erforschen. Das Zentrum will die Wirkungsweise dieser drei Faktoren für die Integration verstehen und anhand der gewonnenen Erkenntnisse konkrete Instrumente wie forschungsgestützte Integrationskurse, Zertifikate der politischen Bildung und interkulturellen Pädagogik ableiten. Das Zentrum wird an der TU Dresden im Bereich Geistes- und Sozialwissenschaften (GSW) angesiedelt und als interdisziplinäre Einrichtung laufende und geplante Forschungsvorhaben bündeln.

Wissenschaftsministerin Dr. Eva-Maria Stange lobt: „Ich danke den Wissenschaftlern der TU Dresden für diese Initiative. Die Flüchtlingsforschung in Deutschland ist noch lückenhaft, deshalb brauchen wir dringend Erkenntnisse, wie Integration gelingen kann. Was benötigen die Flüchtlinge, um in unserer Gesellschaft anzukommen? Wie unterscheiden sich ihre Bedürfnisse von denen anderer Zuwanderergruppen? Was müssen Schulen, Hochschulen und Wirtschaft leisten? Welche Herausforderungen kommen auf unsere Kultur, die Religionen und die Gesellschaft im Ganzen zu? Wie wird sie sich verändern? Antworten auf diese und weitere Fragen werden von enormer Bedeutung für ein Gelingen des Integrationsprozesses sein.“ Die Ministerin ergänzt: „Es wird eine Stärke des neuen Zentrums sein, dass es nicht nur Erkenntnisse zusammenträgt sondern daraus auch konkrete Handlungsoptionen vorschlägt.“

„Mit dem Zentrum für Integrationsstudien werden an der TU Dresden Strukturen aufgebaut, um zu erforschen, wie sprachliche, gesellschaftliche und kulturelle Integration in einer inklusiven Gesellschaft als Querschnittsaufgabe in Forschung und Lehre umgesetzt werden können. Dabei können die an der TU Dresden vorhandenen fachlichen Kompetenzen insbesondere im Bereich Geistes- und Sozialwissenschaften gebündelt und verstärkt werden“, betont der Rektor der TU Dresden, Prof. Hans Müller-Steinhagen.  So ist es möglich, die verschiedenen Dimensionen von Integration auf unterschiedlichen Gebieten wie Recht, Wirtschaft, Bildung, Geschichte, Religion, aber auch in den Literatur- und Kulturwissenschaften zu untersuchen. „Wir wollen die Vielfalt der Geistes- und Sozialwissenschaften an der TU Dresden nutzen, um Fragen auf verschiedenen, miteinander vernetzten Ebenen der Integration nachzugehen“, erklärt Anke Langner, Professorin für Inklusive Bildung und Gründungsdirektorin des Zentrums für Integrationsstudien. „Wir wollen unter anderem wissen, wie Anerkennungsprozesse von Flüchtlingskindern in Schulklassen verlaufen und welche Veränderungen auf allen schulischen Ebenen notwendig werden, wie sich die Akzeptanz von Recht bei dessen Durchsetzung auswirkt, wie die Integration in den Arbeitsmarkt unterstützt werden und wie sprachliche Förderung unter den oft sehr schwierigen Bedingungen, aber auch die Etablierung einer Kultur der Mehrsprachigkeit gelingen kann.“ Dies ist nur eine kleine Auswahl an Fragestellungen, die im Zentrum für Integrationsstudien bearbeitet werden sollen.

Die Forschung am Zentrum geschieht interdisziplinär, intersektional und partizipativ
„Wir wollen nicht über die Menschen forschen, sondern sie mit in den Forschungsprozess einbeziehen. So sollen Konzepte entwickelt und Projekte evaluiert werden, die auf Integration und Inklusion abzielen“, erläutert Anke Langner. Intersektional bedeutet, dass nicht die Konstruktion der „anderen“ Kultur untersucht wird, sondern das Zusammenspiel der unterschiedlichen sozialen Rollen und sozialen Konstruktionen, die Menschen im Alltag verhandeln müssen. So wird es möglich, komplexe Phänomene wie Rassismus besser zu verstehen, Konzepte zu entwickeln, die rassistische Mechanismen aufdecken und damit Interventions-/Präventionsprojekten zur Überwindung von Rassismus in der Gesellschaft zugrunde liegen können.

Für diese Entwicklungen schließen die Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler des Zentrums an nationale und internationale Forschungsentwicklungen an und werden sich mit weiteren fachspezifisch etablierten Forscherinnen und Forschern vernetzen. Das Zentrum ist offen für alle disziplinären und interdisziplinären Impulse zum Themenbereich Integration/Inklusion.

Das Sächsische Staatsministerium für Wissenschaft und Kunst fördert das Zentrum in diesem Jahr mit ca. 125.000 Euro, Mittel werden auch in den nächsten Jahren bereitgestellt. Zusätzlich sollen Drittmittel von externen Auftraggebern eingeworben werden. Die TU Dresden selbst unterstützt den  Aufbau des Zentrums bis Ende 2017 mit insgesamt 300.000 Euro aus eigenen Mitteln. Das Zentrum startet den Aufbau der Strukturen im April 2016. Ab 2022 soll es als Bestandteil im Bereich Geistes- und Sozialwissenschaften der TU Dresden fortgeführt werden.


zurück zur Übersicht

Exzellenz als Prinzip

Dresdens Erfolg beruht auf den Schlüsseltechnologien Mikroelektronik, Informations- und Kommunikationstechnologie und Software, Neue Werkstoffe und Nanotechnologie sowie Life Sciences und Biotechnologie. Die interdisziplinäre Zusammenarbeit von Unternehmen und Forschungseinrichtungen bringt Dresden voran.